Eva ohne Gleichstellungsbeauftragte

Annegret Braun untersucht die Frage, warum Eva keine Gleichstellungsbeauftragte brauchte, Evas Töchter aber offensichtlich eine benötigen. Sie forscht mit diesem Buch nach Gottes Idee für Frauen und Männer. Wodurch ist unser Verständnis vom Verhältnis der Geschlechter geprägt? Wie kann man biblische Wahrheit von kultureller Prägung unterscheiden?

Als promovierte Kulturwissenschaftlerin lehrt Dr. Braun Europäische Ethnologie an der Uni München. Frauengeschichten, Emanzipation und Glück sind die Themen ihrer Bücher. Und nun, in ihrem neuesten Werk, begibt sie sich auf einen Streifzug durch die Bibel. Sie sucht dabei nach emanzipierten Frauen und emanzipierten Männern. Die letzteren entdeckt sie im Alten Testament unter anderem in Adam, in Mose, in Barak und in Hiob. Im Neuen Testament natürlich vorrangig in Jesus. Aber sie bricht auch eine Lanze für Paulus. Seine Anweisungen zum Verhalten der Frauen und seine Aussagen über Hauptsein und Unterordnung nimmt sie genau unter die Lupe.
Das tut sie offensichtlich mehr als Kulturwissenschaftlerin, weniger als Theologin. Sie verzichtet auf Fachbegriffe oder ausführliche Wort-Erklärungen. Fast im Erzähl-Stil führt sie die Leser durch das Thema, anschaulich und eingängig.
Dabei wird aber zweierlei deutlich: sie hat ihre Aussagen akribisch und wissenschaftlich erarbeitet und geprüft. Teilweise hat sie auch Theologen zu Rate gezogen, namentlich Dr. Ulrich Wendel. Und sie schreibt mit einer gläubigen Hochachtung gegenüber der Bibel als Wort Gottes.

Die These, die Annegret Braun mit diesem Buch untermauert, ist die völlige Gleichrangigkeit und Gleichartigkeit von Mann und Frau, als gottgewollte Ordnung. Wer sich auf eine gottgewollte Aufgabenteilung zwischen den Geschlechtern beruft, kann das mit kirchlichen Traditionen erklären. Aber nicht mit biblischen Wahrheiten.

Diese Aussagen sind provokant, aber bedenkenswert. Der Idealfall wäre, wenn Männer und Frauen dieses Buch gemeinsam lesen und im Gespräch darüber ihre Positionen und Argumente neu bedenken.